E-Jugend: Das „goldene Lernalter“ beginnt!

E-Jugend: Das „goldene Lernalter“ beginnt!

In diesem Alter besitzen Kinder noch immer einen starken Bewegungsdrang und eine große Spielfreude, das verbesserte Koordinations- und Konzentrationsvermögen lässt jetzt jedoch eine zunehmend zielgerichtete Fußball-Ausbildung zu: Es ist der Übergang vom Spiel- ins Lernalter!
Es lassen sich schwierigere Bewegungsabläufe erlernen: Abschauen und nachmachen, mit anderen messen, immer wieder Neues ausprobieren! Dieses gilt es, im Trainings- und Spielbetrieb auszunutzen! Denn gleichzeitig gilt auch: Jetzt Versäumtes lässt sich später nur schwer aufholen!

Inhalte im Kindertraining
In der G-, F- und E-Jugend sind insbesondere die vielseitige Bewegungsschulung, Koordination und Technik zu vermitteln, Taktik steht im Hintergrund.


Koordination ist das Zusammenwirken des Zentralnervensystems und der Skelettmuskulatur innerhalb eines gezielten Bewegungsablaufs - also die Fähigkeit, mit dem eigenen Körper das umzusetzen, was der Kopf möchte! Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass nur eine breit angelegte motorische Ausbildung im besten Lernalter zwischen 7 und 11 Jahren eine ideale Grundlage für schnelles und effektives Lernen neuer fußballspezifischer Fertigkeiten bietet.
Die koordinativen Fähigkeiten werden zum weit überwiegenden Anteil bis zum Alter von 12 Jahren erworben, nach 13. Lebensjahr ist eine Verbesserung nur bedingt und mit extrem hohem Trainingsaufwand zu erreichen. Daher ist es immens wichtig, diese Inhalte im Kindertraining in den Mittelpunkt zu stellen.

Was bedeutet dies für das Training?
Der Lerneifer und die Spiel-, Bewegungs- und Leistungsfreude können für die Ausbildungsziele in der E-Jugend optimal genutzt werden: Wichtig sind weiterhin das Üben in kleinen Gruppen, das spielerische Kennenlernen der Fußballtechniken in ihrer Grobform, die Beidfüßigkeit und das individuelle Fördern und Fordern.
Die Übungen beinhalten daher die Koordination mit Ball, vielseitige Aufgaben, Wettbewerbe, unterschiedlichste Spielformen und insbesondere die Chance, neu erlernte sowie eigene Tricks, Finten etc. auszuprobieren. Natürlich klappt nicht alles auf Anhieb, aber wer nichts Neues probiert, kann nichts dazulernen! Die jungen Fußballer sollen mutig sein, sich ausprobieren können und die Chance haben, aus ihren Fehlern zu lernen. Daher sind die Ergebnisse zweitrangig - wer viel wagt, kann oft scheitern. Aber der Versuch, sich stetig zu verbessern und stetig dazuzulernen, sind für einen Fußballer wichtiger als 3 Punkte in einem Spiel, dessen Ergebnis in 3 Jahren niemanden mehr interessiert.
Die Stichworte lauten daher:

  • Vormachen (lassen)! Kinder können neue Inhalte besser über das Sehen als über das Hören aufnehmen! Daher nur kurze, knappe Aufgabenstellungen und Erklärungen!
  • Koordinationsübungen zur Beherrschung des eigenen Körpers und für den ökonomischen Krafteinsatz!
  • Wettkämpfe für Sprints, Dribblings, Schussübungen, Übungs- und Spielformen vorsehen!
  • Austoben lassen! Die Trainingseinheit mit Bewegung und Ball beginnen, größere Warte- und Standzeiten unbedingt vermeiden!
  • Beidfüßigkeit spielerisch einfordern!
  • Viele Erfolgserlebnisse für alle Spieler sicherstellen! Die Aufgabenstellung ist entsprechend anzupassen!
  • „Kontakte, Kontakte, Kontakte!“ - nur so wird die Ballbeherrschung möglich!
  • Kleine Gruppen sind der Garant, dass alle Spieler optimal eingebunden sind!
  • Über allem steht der Spaß am Fußballspielen!

Wichtig: Geduld!
Im Grundlagenbereich (4. bis 12. Lebensjahr) stehen 6 bis 8 Jahre für die Ausbildung zur Verfügung! Diese Zeit sollte den Kindern (!) für ihre fußballerische Entwicklung gegeben werden. Sie sollen ausprobieren, aus Fehlern lernen und eigene Lösungen finden dürfen.
Inspirieren statt Instruieren! „Ein Trainer gibt seinen Spielern keine Lösungen vor, sondern stellt ihnen lösbare Aufgaben.“ (Horst Wein)
Kinder können kaum zu kreativen Spielern werden, wenn ihnen von Anfang an im Training und Spiel gesagt wird, was sie zu tun haben. Daher sollten Anweisungen von Außen nicht nur im Kinderfußball unterbleiben: Auch im Jugendfußball sind gutgemeinte Zurufe von der Trainerbank oder von den Zuschauern eher hinderlich. Eine Masterarbeit zum Coaching aus der Spielerperspektive hat ergeben, was jugendliche Spieler stört („zu starre Trainervorgaben, Anweisungen bei Ballbesitz, inhaltslose Zurufe“) bzw. ihnen hilft („Loben und Anfeuern, situationsgerechte Ansprache, Emotionskontrolle des Trainers“).

Ausgewählte Quellen:

Coaching aus der Spielerperspektive – Eine qualitative Studie im Jugendfußball; Masterarbeit im Studiengang Lehramt der Primar- und Sekundarstufe I von Maximilian Otto, 2014

Fußballtraining Fokus - Der Kindertrainer (Marc Kuhlmann); 1. Aufl. 2016

Entwicklung der Spielintelligenz im Fußball kindgerecht trainieren (Horst Wein); 2016

Fußballtraining special Band 5 - Trainieren mit E- und D-Junioren
(Gerhard Bode, Udo Hain); 1. Aufl. 2012

Kinderfußball - Ausbilden mit Konzept 1
(Paul Schomann, Gerd Bode, Norbert Vieth); 1. Auflage 2014