E-Jugend: Das "goldene Lernalter" beginnt!

E-Jugend: Das „goldene Lernalter“ beginnt!

In diesem Alter besitzen Kinder noch immer einen starken Bewegungsdrang und eine große Spielfreude, das verbesserte Koordinations- und Konzentrationsvermögen lässt jetzt jedoch eine zunehmend zielgerichtete Fußball-Ausbildung zu: Es ist der Übergang vom Spiel- ins Lernalter! Schwierigere Bewegungsabläufe können erlernt werden, Abschauen und Nachmachen sind zentrale Elemente, sich mit anderen zu messen ist den Spielern wichtig, immer wieder will Neues ausprobiert werden! Diese Neugier, diese Motivation gilt es, im Trainings- und Spielbetrieb auszunutzen! Nur mit guten koordinativen Fähigkeiten können die Spieler ihre Aktionen, ob offensiv oder defensiv, optimal umsetzen, z. B. Zweikämpfe. Für Fußballer sind diese persönlichen Erfolge von großer Bedeutung: Wie oft bin ich am Gegner vorbeigekommen? Wie oft ist der Gegner an mir vorbeigekommen? Wenn sich die Spieler nicht alle kontinuierlich weiterentwickeln können, wird die eigene (Miss-)Erfolgsquote ggf. einer der Beweggründe sein, warum der Spieler mit seinem Hobby aufhört.
Dies ist ein weiteres Argument dafür, die Ergebnisse nicht zu wichtig zu nehmen. Wichtiger ist es, dass alle Spieler zum Einsatz kommen und auf allen Feldpositionen spielen: Im Angriff, in der Abwehr, linke Seite, rechte Seite. Ein zu frühes Festlegen der Spieler auf bestimmte Positionen, um im Hinblick auf das Ergebnis möglichst erfolgreich zu sein, ist ein taktisches Vorgehen, das m. E. in Bezug auf die fußballerischen Entwicklung der Spieler alles andere als hilfreich, vielmehr sogar schädlich ist.

Inhalte im Kindertraining:
In der G-, F- und E-Jugend sind insbesondere die vielseitige Bewegungsschulung, Koordination und Technik zu vermitteln, Taktik steht deutlich im Hintergrund.
„Koordination“ ist das Zusammenwirken des Zentralnervensystems und der Skelettmuskulatur innerhalb eines gezielten Bewegungsablaufs - also die Fähigkeit, mit dem eigenen Körper das umzusetzen, was der Kopf möchte! Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass nur eine breit angelegte motorische Ausbildung im besten Lernalter zwischen 7 und 11 Jahren eine ideale Grundlage für schnelles und effektives Lernen neuer fußballspezifischer Fertigkeiten bietet.
Diese koordinativen Fähigkeiten werden zum weit überwiegenden Anteil bis zum Alter von 12 Jahren erworben, nach dem 13. Lebensjahr ist eine Verbesserung nur bedingt und mit extrem hohem Trainingsaufwand zu erreichen. Daher ist es immens wichtig, diese Inhalte im Kindertraining in den Mittelpunkt zu stellen. Denn gleichzeitig gilt auch: Jetzt Versäumtes lässt sich später nur schwer aufholen!

Was bedeutet dies für das Training?
Der Lerneifer und die Spiel-, Bewegungs- und Leistungsfreude können für die Ausbildungsziele in der E-Jugend optimal genutzt werden: Wichtig sind weiterhin das Üben in kleinen Gruppen, das spielerische Kennenlernen der Fußballtechniken in ihrer Grobform, die Beidfüßigkeit und das individuelle Fördern und Fordern.
Die Übungen beinhalten daher die Koordination mit Ball, vielseitige Aufgaben, Wettbewerbe, unterschiedlichste Spielformen und insbesondere die Chance, neu erlernte sowie eigene Tricks, Finten etc. auszuprobieren. Natürlich klappt nicht alles auf Anhieb, aber wer nichts Neues probiert, kann nichts dazulernen! Die jungen Fußballer sollen mutig sein, sich ausprobieren können und die Chance haben, aus ihren Fehlern zu lernen. Daher sind auch aus diesem Grund die Ergebnisse zweitrangig - wer viel wagt, kann oft scheitern. Aber der Versuch, sich stetig zu verbessern und stetig dazuzulernen, sind für einen Fußballer wichtiger als 3 Punkte in einem Spiel, dessen Ergebnis in einigen Jahren niemanden mehr interessiert. Die Stichworte lauten daher:

  • Vormachen (lassen)! Kinder können neue Inhalte besser über das Sehen als über das Hören aufnehmen! Daher nur kurze, knappe Aufgabenstellungen und Erklärungen!
  • Koordinationsübungen zur Beherrschung des eigenen Körpers und für den ökonomischen Krafteinsatz!
  • Wettkämpfe für Sprints, Dribblings, Schussübungen, Übungs- und Spielformen vorsehen!
  • Austoben lassen! Die Trainingseinheit mit Bewegung und Ball beginnen, größere Warte- und Standzeiten unbedingt vermeiden!
  • Beidfüßigkeit spielerisch einfordern!
  • Viele Erfolgserlebnisse für alle Spieler sicherstellen! Die Aufgabenstellung ist entsprechend anzupassen!
  • „Kontakte, Kontakte, Kontakte!“ - nur so wird die Ballbeherrschung möglich!
  • Kleine Gruppen als Garant dafür, alle Spieler optimal einzubinden!
  • Über allem steht der Spaß am Fußballspielen!

Wichtig: Geduld!
Im Grundlagenbereich (4. bis 12. Lebensjahr) stehen, bis auf Großfeld gespielt wird, 6 bis 8 Jahre für die Ausbildung zur Verfügung! Diese Zeit sollte den Kindern (!) für ihre fußballerische Entwicklung gegeben werden. Sie sollen ausprobieren, aus Fehlern lernen und eigene Lösungen finden dürfen. Inspirieren statt Instruieren! „Ein Trainer gibt seinen Spielern keine Lösungen vor, sondern stellt ihnen lösbare Aufgaben.“ (Horst Wein)
Kinder können kaum zu kreativen Spielern werden, wenn ihnen von Anfang an im Training und Spiel gesagt wird, was sie zu tun haben. Daher sollten Anweisungen von außen nicht nur im Kinderfußball unterbleiben: Auch im Jugendfußball sind gutgemeinte Zurufe von der Trainerbank oder von den Zuschauern eher hinderlich. Eine Masterarbeit zum Coaching aus der Spielerperspektive hat ergeben, was jugendliche Spieler stört („zu starre Trainervorgaben, Anweisungen bei Ballbesitz, inhaltslose Zurufe“) bzw. ihnen hilft („Loben und Anfeuern, situationsgerechte Ansprache, Emotionskontrolle des Trainers“). Auch ohne diese Rückmeldung der betroffenen Spieler sind Zurufe von außen aus meiner Sicht äußerst kritisch zu sehen: Der Spieler muss sich auf den Ball, die Mitspieler, die Gegner, die Spielfeldbegrenzung, die Position der Tore etc. konzentrieren und aus der Bewertung dieser Datenlage den besten Lösungsweg finden. Wenn dann noch eine Ruf von außen dazukommt (z. B. „Gib ab!“), behindert die Analyse dieser Information den Spieler: Er muss die Vorgabe mit seiner eigenen Lösung vergleichen. Diese gedankliche Ablenkung kann der Gegner zur Balleroberung nutzen. Für den erforderlichen Lernprozess, den der Spieler zur steten Verbesserung braucht, sind Vorgaben während des Ballbesitzes m. E. eindeutig hinderlich.
(Arne Lewandowski, Kinder- und Jugendtrainer)

Ausgewählte Quellen:
Coaching aus der Spielerperspektive – Eine qualitative Studie im Jugendfußball; Masterarbeit im Studiengang Lehramt der Primar- und Sekundarstufe I von Maximilian Otto, 2014
Fußballtraining Fokus - Der Kindertrainer (Marc Kuhlmann); 1. Aufl. 2016
Fußballtraining Fokus - Techniktraining für Kinder und Junioren (Klaus Pabst); 1. Aufl. 2021
Fußballtraining special Band 5 - Trainieren mit E- und D-Junioren (Gerhard Bode, Udo Hain); 1. Aufl. 2012
Entwicklung der Spielintelligenz im Fußball kindgerecht trainieren (Horst Wein); 2016
Kinderfußball - Ausbilden mit Konzept 1, (Paul Schomann, Gerd Bode, Norbert Vieth); 1. Auflage 2014
Kinderfußball - Trainieren wie die TSG Hoffenheim (Dominik Drobisch, Arne Startmann); 1. Aufl. 2021